DIY-Schutz für Stativbeine aus Carbon

DIY-Schutz für Stativbeine aus Carbon

Bei vielen Stativen gehören sie zum Standard. Schaumstoff oder Moosgummi für die oberen Beinsegmente als Schutz für Stativbeine. So schützt man druckempfindliche Carbon-Rohre vor spitzen Gegenständen, die das Material dauerhaft beschädigen könnten. Auch bei Aluminium-Segmenten sind Schutzhüllen sinnvoll, denn so gibt es keine Kratzer und auch weniger schnell Kerben oder Dellen, die dann den Beinauszug eventuell erschweren beziehungsweise sogar die Stabilität beeinträchtigen. Nicht alle Stative werden aber herstellerseitig mit dieser Ummantelung ausgeliefert. Ein Grund für meinen DIY-Schutz für Stativbeine aus Carbon.

Eine Ummantelung schützt außerdem unsere Hände bei niedrigeren Temperaturen vor kalten Stativbeinen und wirkt so auch als Wärmesperre. Nicht zuletzt erhält man mit ihnen aber auch wesentlich mehr Grip beim Tragen des Stativs. Für mich mit der wesentliche Anwendungsfall und Grund für diese kleine Selbstbauanleitung zur Schrumpfschlauch Montage zum Schutz der oberen Stativbeine.

Ich habe kürzlich ein neues Reisestativ der Traveler Serie, das Gitzo GT2545T, erworben. Das Stativ kommt leider ohne jeglichen Schutz für die obersten Stativrohre aus Carbon eXact Fasern daher. Da mich nicht zuletzt das niedrige Gewicht von 1.335 kg zum Kauf bewegte, wollte ich nicht auf handelsübliche, eher dickere und schwerere Produkte aus dem üblichen Zubehörmarkt zurückgreifen und begann im Netz zu recherchieren. Durch Zufall entdeckte ich einen Instagram-Post mit typischen #gearp*rn Inhalt meines Fotokollegen Frank Heinen der sofort meine Neugier weckte. Frank war so nett mir den entscheidenden Hinweis zu geben und so kann ich Euch hier eine kleine bebilderte Bastelanleitung geben.

Das Material

Hervorragend geeignet ist ein Anti-Rutsch-Schrumpfschlauch-Sleeve des Herstellers QUADRIOS. Sein Soft-Grip-Schrumpfschlauch-Sortiment in der Farbe Schwarz und mit einer Schrumpfrate 2:1 ist für einen Anwendungsbereich mit Durchmessern von 15 bis 50 mm ausgelegt. Ideal geeignet für Applikationen wie z.B. Handwerkzeuge, Sport-, Fitnessgeräte, Griffe, Angelruten, Paddel oder eben für Foto-Stative. Durch die relativ große Schrumpfrate und den vielen lieferbaren Innendurchmesser-Varianten (ungeschrumpft) sollte sich der ca. 1 mm dicke Schlauch für jedes Stativ auf dem Markt eignen. Da es sich um einen Schrumpfschlauch ohne Kleber handelt sollte er sich im Bedarfsfall auch wieder rückstandslos entfernen lassen.

Ich wählte für meine 29 mm Rohrdurchmesser die 40 mm Variante um den Schrumpfschlauch auch ohne Probleme über die Twist G-Lock Verschlüsse von Gitzo zu bekommen. Die Länge von 1,60 m reichte locker für alle drei Beinsegmente. Kurzfristig lieferbar im Angebot bin ich beim Spezialversender für Elektronik-Bauteile Conrad fündig geworden.

Do it yourself

Zuerst misst man die exakte Länge des freiliegenden Carbon Rohres. Da ich beim ersten Versuch nicht wusste wie weit der Schlauch auf der Länge schrumpft, habe ich einen Zentimeter drauf gerechnet. Mit einem herkömmlichen Cutter-Messer läßt sich der Schrumpfschlauch entlang einen Metalllineals wunderbar schneiden. Anschließend entfernt man die unteren Beinsegmente vom Stativ und zieht den Schlauch so auf dass das obere Ende bündig anliegt. Schrumpfschläuche sind aufgeweitete Kunststoffprodukte, die durch die Einwirkung von Wärme auf ihre ursprüngliche Größe zurück schrumpfen – z. B. mit Hilfe eines elektrischen oder durch Gas betriebenen Heißluftgebläses.

Bei diesem Produkt wurde vom Hersteller dafür eine Schrumpftemperatur von mindestens +70 °C und maximal +110 °C angegeben. Mit einem handelsüblichen Heißluftgebläse und entsprechender Reflektordüse als Aufsatz ließ sich nun aus vorsichtigem Abstand bei stetigen Bewegungen der Schlauch auf das gewünschte Maß schrumpfen. Beim ersten Rohr bin ich hier von oben nach unten vorgegangen und habe am Ende, dem G-Lock Verschluss, das überstehende Material vorsichtig(!) mit dem Teppichmesser entfernt. Im Anschluss empfiehlt sich noch einmal mit der Heißluftpistole über das Schlauchende zu gehen um für ein eng anliegendes Ergebnis zu sorgen.

Nach der Erfahrung vom ersten Versuch und der Erkenntnis das der Schrumpfschlauch sich auf der Länge nicht allzu sehr verkürzt, bin ich dann anders vorgegangen. Ich habe beim zweiten und dritten Stativbein nun nur 1 bis 2 mm mehr zur Rohrlänge auf die Schlauchlänge addiert und diesen dann mittig auf dem Segment ausgerichtet. Erwärmt wurde nun von der Mitte ausgehend in beide Richtungen. Auf diese Weise hatte ich sofort an beiden Enden einen sauberen und bündigen Abschluss ohne mit dem Cutter-Messer beim Einkürzen eventuell die Carbon Fasern zu beschädigen.

Das Ergebnis

Ich bin mit dem Resultat sehr zufrieden. Das Material trägt weder groß auf, noch steigert es das Gesamtgewicht des Statives erwähnenswert. Es schützt die empfindlichen Carbon Beine, insbesondere beim seitlichen Transport am Rucksack, vor Kratzern und leichten Stößen durch Felsen und Gestein zum Beispiel im Elbsandsteingebirge. Vor allem aber liegt es dank des gewonnenen Soft-Grip wunderbar sicher in der Hand und schaut zu alledem auch noch ganz sexy aus. Obwohl es nicht verklebt ist, sitzt der Schrumpfschlauch verwindungsfrei und fest auf den oberen Beinsegmenten.

Haftungsausschluss / Disclaimer

Der Nachbau und die Montage des hier beschriebenen DIY-Schutz für Stativbeine aus Carbon erfolgt gänzlich auf euer eigenes Risiko. Alle Anleitungen und Hinweise sind ohne Gewähr. Die technischen Informationen in diesem Artikel wurden mit großer Sorgfalt zusammengetragen. Sollten dennoch Fehler oder Beschädigungen bei einem Nachbau auftreten, so übernehme ich keinerlei Garantie, keine Verantwortung oder Haftung für Ansprüche, welche sich aus der Nutzung dieser Anleitung ergeben. Ich bitte Euch das zu berücksichtigen.

Add-on

Als Zugabe und nächste Ausbaustufe kann ich Euch den hervorragenden Blogbeitrag „Der perfekte Stativschirm“ meines sehr geschätzten Fotografenkollegen Manfred Zobrist ans Herz legen. In seinem detaillierten Artikel beschreibt er ausführlich, wie es gelingt, einen solchen Fotoschirm nachzubauen, diesen stabil am Stativ zu befestigen und vor allem welche Materialien man dafür benötigt.

Welcher Landschaftsfotograf hat nicht schon einmal darüber nachgedacht, seine Ausrüstung mit einem Stativschirm vor Regen zu schützen? … Ich selbst war vom Ergebnis begeistert (und bin es noch immer), wurde aber wegen dieses Schirmchens oft belächelt. Setzte dann aber Regen ein, war ich es, der gelächelt und weiter fotografiert hat, während die anderen ihre Ausrüstung zusammengepackt haben. Gerade Langzeitbelichtungen sind im Regen schwer zu realisieren. 

Manfred Zobrist

Manfred hinterfragt seit Jahren immer wieder den Inhalt seines Fotorucksacks und passt ihn seinen wechselnden Bedürfnissen an bis jedes noch so unbedeutende Einzelteil seine spezifische Aufgabe erfüllt. Mit der bewussten Wahl seiner Ausrüstungsgegenstände kann er sich beim Fotografieren ganz auf den kreativen Prozess konzentrieren und die Technik ausblenden. Auf seinem Blog befinden sich mehrere lesenswerte Artikel zur Ausrüstungsoptimierung die er dankenswerter Weise mit uns allen teilt.

Wem das Gebaumel vom Kabelauslöser am Stativ genauso stört wie mich, der kann gleich weiter basteln und sich anhand meines Artikels „Befestigung des Fernauslösers am Stativ“ einen preiswerten Köcher am Stativbein befestigen. So hat der Wind keine Chance mehr das gute Stück gegen das Stativ zu schlagen und im Meer versinkt der Fernauslöser auch nicht mehr so schnell.

6 Kommentare zu “DIY-Schutz für Stativbeine aus Carbon

  1. Dirk, vielen Dank für diesen tollen Tipp. Gefällt mir wesentlich besser als die Moosgummi-Schützer. Ich werde das sicher nachbauen! Viele Grüße, Thomas

    • Hallo Thomas,

      das ging aber fix mit dem Feedback. Kaum veröffentlicht, schon die erste Rückmeldung. Da freut man sich drüber, denn das ist ein Grund warum man seine Erfahrungen gern mit der Community teilt. Die Initialidee stammt ja nicht von mir, so bin ich ebenfalls dankbar das Frank Heinen sein Equipment auf Instagram vor die Kamera gestellt hat und im Anschluß bereitwillig Auskunft gegeben hat.

      Liebe Grüße,
      Dirk

  2. Lieber Dirk,

    vielen Dank für diese interessante und schön bebilderte Anleitung! Die allermeisten Landschaftsfotografen suchen wohl nach einem Schutz für ihr Stativ und da kommt Dein Blogbeitrag wie gerufen. Ich hatte mich damals auf Schutzfolie für Unterrohre von Mountain Bikes entschieden. Das funktioniert auch super aber ob das über Jahre wegen des Klebstoffs vollständig reversibel bleibt? Ich werde mir nun gut überlegen, ob ich auf deine Schrumpfschlauch Methode wechsle, die scheint doch in allen Belangen überlegen.

    Liebe Grüße, Manfred

    • Lieber Manfred,

      ich danke Dir für Deinen Kommentar der mich glatt animierte den Blogbeitrag um einen weiteren Absatz zu ergänzen um auf Deinen Bauplan zum perfekten Stativschirm für die (Landschafts-)Fotografie hinzuweisen. Ich selbst darf nun seinem ersten Einsatz entgegenfiebern. Durch den nun hier aufgezogenen Schrumpfschlauch ist für die meisten Stative nun auch keine Gummi Unterlage für die Campagnolo Befestigungsschelle mehr nötig und das vielleicht für den einen oder anderen fummelige Einpassen der Isolierung entfällt. Vielen Dank!

      Liebe Grüße,
      Dirk

  3. Hallo Dirk,
    vielen Dank für diesen Bericht und die ausführliche Anleitung. Bei meinem FLM-Stativ habe ich schon die ganze Zeit überlegt, wie ich´s anstellen soll. Da kommt mir Deine DIY-Anleitung gerade recht.
    Danke dafür.

    Liebe Grüße, Uli

    • Hallo Uli,

      herzlichen Dank für Deine Rückmeldung über die ich mich sehr freue. Dafür macht man das. Ich bin mir sicher das sich das auch ohne Probleme beim FLM Stativ so praktizieren lässt und wünsche Dir gutes Gelingen bei der Umsetzung!

      Liebe Grüße,
      Dirk

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