Portfolio-Strecke „Landschaften mit Melodie“

Portfolio-Strecke

Als ein Teil des Specials „Sommerprojekte“ von sechs ausgesuchten Fotoprojekten bin ich kürzlich von der Redaktion für das Pictures Magazin 7-8/2017 nach einem Interview bzw. einer Portfolio Strecke vornehmlich zum Thema „Küstenlandschaften“ angefragt worden. Mittlerweile ist das Heft erschienen und ein Zitat hat mich besonders schmunzeln lassen. 😉

Deshalb sieht es auf seinen Fotos aus, als ob Dirk Wiemers Leben ein einziger langer Urlaub sei.

Naja, ganz so ist es wohl leider nicht, aber ich freute mich schon sehr als vom Pictures Magazin die Anfrage und später auch folgende Interview-Befragung – die als Grundlage für den Artikel diente – für das aktuelle Heft eingingen. Viel Spaß beim Lesen!

 

1. Erinnern Sie sich noch an Ihr allererstes Bild?

Das leider nicht mehr. Aber wenn man von den üblichen Familienfotos und Reisedoku-Schnappschüssen absieht, wird das seiner Zeit etwas mit dem Fotografieren von Texturen oder sogenannten Lost Places zu tun gehabt haben. Beides war eigentlich mein persönlich tieferer Einstieg in die Fotografie und die Aufnahmen waren dafür gedacht in eher düsteren Composings Verwendung zu finden.

2. Welche Ausbildung haben Sie?

Ich habe nach der Schulzeit die Ausbildung zum Facharbeiter der Nachrichtentechnik erfolgreich abgeschlossen und arbeite heute als Projektierer bei einem bekannten großen deutschen Unternehmen im Bereich der Bahnautomatisierung. All das hat mit der Fotografie eher weniger zu tun. Aber genau daher ist mir das Hobby als wichtiger Ausgleich zum meist doch sehr schnelllebigen Projektgeschäft so wichtig.

 

 

3. Sie sind über die Demoszene als Grafiker zur Fotografie gekommen. Und machen so herrlich „unpolitische“ Bilder – wie kommt das denn?

[schmunzelt] „Demo“ ist hier nicht von DER Demonstration abgeleitet, sondern bezieht sich auf die Szene unter Anhängern der Computerszene in den 80er Jahren. Ihre Mitglieder erzeugten mit Computerprogrammen auf Rechnern so genannte Demos – Digitale Kunst, meist in Form von musikalisch unterlegten Echtzeit-Animationen. (Wikipedia) Hier war ich vor über 20 Jahren einmal ziemlich stark in der Demoszene des Commodore C64 und Amigas involviert. Zunächst habe ich versucht mich in diversen Demogruppen als Pixelgrafiker einzubringen. Später, mit den geeigneten Tools, bin ich dann in die digitale Bildbearbeitung eingestiegen. Die Möglichkeiten und das Arbeiten mit diversen Bildern in vielen Ebenen haben mich von Anfang an fasziniert.

4. Sie sprechen ja selbst von „Postkartenfraktion“… Wie gelingt Ihnen denn dieser typische Postkartenstil, das ist ja schließlich eine Kunst für sich.

Das vermag ich selbst gar nicht so genau zu beschreiben. Vielleicht ist die Begriffswahl auf meiner Website auch ein wenig unglücklich. Es gibt sicher nicht wenige Menschen die diese Umschreibung eher klischeehaft mit Kitsch in Verbindung bringen. Was ich damit aber eigentlich ausdrücken möchte, ist der Versuch mit meinen Fotos eine gewisse Sehnsucht beim Betrachter zu wecken. Ich meine das erreicht man mit einer vermittelten Ruhe und der Konzentration auf das Wesentliche ganz gut. Ich denke das beginnt bereits mit der Auswahl des Motives und dem festgelegten Bildausschnitt.

5. Ihre Motive finden Sie vor allem auch rund um die Ostsee. Was macht für Sie diese Gegend so reizvoll und wie unterscheiden sich Bilder vom Mittelmeer von denen der Ostsee?

In der Tat besuchen wir die Ostsee recht häufig. Das mag daran liegen dass ich als Kind dank meiner Eltern fast jeden Sommer die Ferien auf der wunderschönen Halbinsel Fischland-Darß-Zingst verbringen durfte. Ich kenne mich speziell dort also recht gut aus. Das ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil wenn man im gemeinsamen Urlaub mit der Familie vor dem Frühstück oder nach dem Abendbrot noch schnell spontan auf Fototour gehen möchte.

Die Küstenlandschaften von Ostsee, Atlantik und Mittelmeer unterscheiden sich in der Tat recht wesentlich. Während man am Atlantik oft auf attraktive raue Stein- und Felsformationen trifft, “leben” Ostsee-Fotos meist von Buhnen, Wellenbrechern, Seebrücken oder gar Strandkörben im weichen Licht der auf- oder untergehenden Sonne. Natürlich sind die stark unterschiedlich ausgeprägten Gezeiten ebenfalls ein Thema. Während sich an der Ostsee der Meeresspiegel periodisch wohl nur um ganz wenige Zentimeter ändert, ist ein Ebbe und Flut Kalender am Atlantik ein wichtiges Hilfsmittel bei der Planung einer Aufnahme.

6. Sie fotografieren Natur und Landschaften, warum keine Gesichter?

Für die People-Fotografie muss man das nötige Gespür haben. Ich habe mich in der Tat schon darin versucht. Welcher Hobby-Fotograf kennt das nicht. Im Freundes- und Familienkreis wird geheiratet und da liegt das vermeintlich Gute oft sehr nahe. Auch ich habe mich dazu schon hinreißen lassen. Obwohl nach einem anstrengenden Tag dabei für das Brautpaar sehr gefällige Fotos bei rausgekommen sind, wurde mir schlagartig klar was ich an der ruhigen und meist entspannenden Landschaftsfotografie so sehr schätze.

7. Mit welcher Fotoausrüstung entstehen Ihre Bilder vorwiegend und warum haben Sie sich für diese Ausrüstung entschieden?

Ich bin Anfang letzten Jahres von Canon auf Nikon umgestiegen. Die zuvor genutzte Canon EOS 5D Mark II war in die Jahre gekommen und ich war auf der Suche nach einem Ersatz mit gleicher Haptik aber mit wesentlich mehr Dynamikumfang. Der Dynamikumfang zeigt, wie gut sehr helle und gleichzeitig sehr dunkle Bildbereiche vom Sensor noch korrekt wiedergegeben werden können. Gerade zu den Tageszeiten wo die meisten meiner Aufnahmen entstehen ist das nicht unerheblich. Mit der Nikon D810 habe ich für mich diese Kamera gefunden.

Ein Großteil meiner Fotos entstehen mit einem Ultraweitwinkel Objektiv. Um Entfernungen zu komprimieren kommt aber auch schon mal ein Telezoom mit größerer Brennweite zum Einsatz.

Um Belichtungszeiten zu verlängern, wenn man beispielsweise Wasserfälle oder an der Küste Wellenbewegungen sehr weich, fast nebelartig darstellen möchte, arbeite ich mit ND-Filter verschiedener Hersteller. Ebenfalls zur Standardausrüstung zählen verschiedene Grauverlaufsfilter unterschiedlicher Stärke und Verlaufsart. Hiermit kann bereits in der Kamera Einfluss auf Situationen genommen werden, wo der Kontrast zwischen hell und dunkel so groß ist, dass dieser eben sonst nicht mehr vollständig vom Sensor eingefangen werden könnte. Um sich an Gewässern in denen sich etwas spiegelt die Möglichkeit zu bewahren, diese Reflexion zu verstärken oder zu minimieren, ist ein Polfilter ein unersetzlicher Helfer. Ebenso kann man mit ihm aber auch Regenbögen oder, durch die Eliminierung von Reflexionen, satte Farben auf nassen Steine oder nassem Laub verstärken.

8. Wie viel digitale Nachbearbeitung steckt in Ihren Fotos? Könnten Sie anhand eines konkreten Fotos einen kleinen Workflow nachzeichnen?

Ein konkret definierter Workflow lässt sich leider nicht abbilden. Ganz einfach weil (bei mir) jede Aufnahme auch eine andere Nachbearbeitung nach sich zieht. Natürlich gibt es Arbeitsschritte die sich im Workflow wiederholen. Ich arbeite viel mit sogenannten Luminanzmasken um sehr selektiv nur bestimmte Bereiche meines Bildes in Sachen Kontrast oder auch der Sättigung anzupassen. Hier verwende ich das TK-Action Panel für Adobe Photoshop von Tony Kuyper. Eine ungemeine Arbeitserleichterung die ich nur empfehlen kann. Auch die Dodge&Burn Technik findet gelegentlich ihren Einsatz um dem Foto einen gewissen Punch zu geben. Um unerwünschte Flares, die beim Fotografieren in die Sonnen schon mal auftreten, zu retuschieren, nutze ich ein weitere Technik aus der Beauty-Retusche – die Frequenztrennung. Wenn es die Lichtstimmung im Bild erlaubt, verstärke ich diese auch gern subtil mit dem sogenannten Orton-Effekt. Generell korrigiere ich Elemente in der Aufnahme die das Bild unruhig erscheinen lassen und eher nur einen temporären Charakter vor Ort einnahmen.

9. Haben Sie Vorbilder in der Kunst/der Fotografie?

Vorbild ist vielleicht der nicht ganz so angebrachte Begriff. Mein Ziel ist ja nicht einen fremden Bildlook 1:1 nachzustellen. Aber es gibt einige Landschafts- und Naturfotografen deren Bilder ich sehr mag. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit und in beliebiger Reihenfolge fallen mir da adhoc Namen wie Michael Shainblum, Ted Gore, Michael Breitung, Stefan Hefele, Mark Metternich oder gar Ryan Dyar ein. Alle verbindet eine ungemeine Präzision beim Postprocessing.

10. Was war Ihre bisher größte Herausforderung in fotografischer Hinsicht?

Für mich persönlich besteht die größte Herausforderung eigentlich darin mir selbst genügend Zeit für mein Hobby einzuräumen. Zu großen Teilen komme ich nur im Urlaub dazu. In der Zeit wo man sich ja eigentlich vom Alltagsstress regenerieren möchte, heißt es dann den Willen aufzubringen ganz früh am Tag oder gar in Nacht aufzustehen um zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, wie man in der Landschaftsfotografie so schön sagt. Natürlich ist es auch oft in Hinblick auf die Familie ein schmaler Grad. Von daher möchte ich an dieser Stelle meiner lieben Frau, unserer Tochter und unserer Hündin von Herzen danken das sie mir diesen Freiraum so oft gewähren.

11. Was tun Sie außer zu fotografieren noch sehr gerne? Welche Musik hören Sie gerne?

Ich spiele Tischtennis in der Kreisklasse und unterstütze als Mannschaftsführer den Verein. Ein schöner sportlicher Ausgleich zum Alltag im Büro. Seit meiner Jugend höre ich sehr gern elektronische Musik verschiedenster Stilrichtungen, bin aber auch der deutschsprachigen Musik sehr verbunden. Musik im Allgemeinen lässt sich nämlich auch wunderbar mit dem Fotografieren von Landschaften kombinieren.

12. Welche neuen Projekte stehen in naher Zukunft an?

Wir werden demnächst einige Tage Urlaub in Oberbayern verbringen. Natürlich wird die Fotoausrüstung auch da wieder Teil des Reisegepäcks sein. Da in erster Linie aber vor allem die Erholung mit der Familie steht, ist es vielleicht eine wenig viel verlangt von einem richtigen Projekt zu sprechen.

13. Woher kennen Sie das Pictures Magazin? Was gefällt Ihnen am besten? Was wünschen Sie sich?

Ich glaube ich habe mir damals die erste Ausgabe am Bahnhofskiosk gekauft, bin mir aber nicht mehr ganz sicher. Später bin ich dann wieder über die Plattform locationscout.net auf das Magazin gestoßen. Ich mag die große Vielfalt im Heft. Als jemand der vornehmlich in der Landschaftsfotografie zuhause ist, würde ich mir natürlich noch mehr Beiträge über dieses Thema wünschen. Richtig klasse wäre einmal ein ausgiebiger Beitrag, gern auch eine ganze Reihe, zum Thema “Locationscouting”. Welche Apps und Hilfsmittel gibt es, wie wende ich diese effektiv zuhause in der Reisevorbereitung an um sie später unterwegs mobil optimal einsetzen zu können. Da gibt es so viele Unterthemen. Gezeiten, Sonnenstände, Milchstraße und Sterne, etc..

 

4 Kommentare zu “Portfolio-Strecke „Landschaften mit Melodie“

  1. Lieber Dirk,

    Natürlich habe ich Deine Bilder und die Geschichten dahinter bereits in Papierform aufgesogen und auf der Zunge zergehen lassen. Ich bin selbst zwar bislang nie von einer Zeitschrift zum Thema Fotografie interviewt worden, stelle mir es aber spannend vor, sich über den eigenen Zu- und Werdegang und die Eckpunkte seiner Leidenschaft als Landschaftsfotograf in dieser Form einmal bewusst zu werden. Schön geschrieben und sehr lesenswert!

    • Hallo Manfred,

      über seine Arbeiten oder gar sich selbst zu schreiben, ist eigentlich meine Sache nicht. 😉 Aber im Urlaub hatte ich ja etwas Zeit mich anstelle mit Ebenen und Masken mal mit Wörtern und gefährlichen Schachtelsätzen zu beschäftigen. 😛 Ich finde das eigentliche Interview eine ganz nette Ergänzung zum letztendlich erschienenen Artikel im Heft. 😉 Herzlichen Dank für Deine wohlwollende Einschätzung! 🙂

      Beste Grüße,
      Dirk

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